Archive for the Category TuN – Technik und Netz

 
 

Sixtus-Knaller statt Silvester-Böller

“Sixtus statt Böller”

Thomas Knüwer regt den Verzicht für Wichtiges an.

Natürlich ist Martin Oettings Idee umstritten, den bei Carta veröffentlichten “Sixtus-Brief” als Anzeige in eine dieser Leistungsschutzrechts-Zeitungen (LSrZ) zu veröffentlichen. Warum denen, deren Ab- und Ansichten man opponiert auch noch solch einen fulminanten Betrag “in den Rachen kippen”? 30k€ sind wirklich kein Pappenstil und abkriegen tut sie dann sowieso nur ein Verlag.

Aber Thomas hat völlig recht:

“Ich wünsche mir ja, dass der Journalismus weiter existiert. Verlage an sich sind nicht das Böse – sie werden nur absurd schlecht gemanagt. Jene Köpfe in den Verlagen, aber auch viele Journalisten, scheren sich nicht darum, was im Internet so steht. Eine Print-Anzeige im eigenen Blatt (oder einem respektierten anderen Medium) wäre ein Aha-Effekt.”

Ich bin fest davon überzeugt, daß die ganze Häme der Alteingesessenen gegenüber den “Netz-Leuten” just in Stirnrunzeln übergeht, wenn sie sehen, daß genau diese ihr Geschäftsmodell besser verstehen, als sie selbst. Und ehrlich gesagt, ich freu mich dadrauf.

Offener Brief Leistungsschutzrecht – Ich habe gespendet

Ich unterstütze den Aufruf zu einem offenen Brief gegen das Leistungsschutzrecht der Verlage – man kann auch sagen: gegen ein LeitungsSchutzgeld oder die Internet-GEZ

Facebook Konto gelöscht

Liebe “Ex-Freunde” auf Facebook, es ist nichts persönliches.

Ich habe heute mein Facebook-Konto geleert und gelöscht, sozusagen in einer Art Affekthandlung nachdem ich Tyler Brule bei der Zeit gelesen habe. Zuvor hatte ich schon Marshall Kirkpatrick den Hinweis auf das Zuckerberg-Interview gelesen.

Gründe gibt es wahrlich viele und eher ist es die Summe der einzelnen die mich getrieben haben, als ein Grund alleine. Ironischerweise mag es ein Kennzeichen Sozialer Netze sein, daß gerade die vernetzten Gründe dann den Ausschlag geben.

Die Tat schwelt schon länger, seit ich nämlich sehe, welche Banalitäten und Absurditäten manche der Menschen von sich geben, die ich im “realen” Leben als “vernünftig” kenne. Oder die sich mit wohl ausuferndem Zeitbedarf irgendwelchen Mafia-Spielen oder BauernhofDorf-Simulationen hingeben, sich beim Trinken oder beim in-religiöse-Sekten-abgleiten beobachten lassen. Und natürlich sah ich mich selbst mittendrin, affektiert um Aufmerksamkeit heischend, gebunden an fremdbestimmte Features, abhängig von Policies, die dem Marketing unterworfen werden.

Allen anderen wünsche ich noch viel Spaß.

Twitter – Nix für Über50?

Benutzungshinweis: Dieser Text ist nicht für Allesversteher. Die verstehen ja schon alles. Dieser Text richtet sich an die vornehmlich-noch-nicht-so-netz-affinen Menschen, die Twitter ausprobieren wollen, aber nicht recht wissen, wie sie das anstellen sollen und warum auch. Ich hoffe, ich kann eine kleine Anregung geben.

“Was soll ich mit diesem Twitter? Das ist doch was für die jungen Leute. “

Grade wir Älteren – und ab 50 zählt man dazu – sind es ja müde, immer wieder auf neue Züge aufzuspringen, die durch die Gesellschaft rasen und viel Volk aufsammeln. Allzuoft haben wir gesehen, es ist nur Mode, was uns als Innovation verkauft wird. Immer seltener ist man im Alter von wirklich wichtigen Strömungen zu überzeugen.

Sicher, Twitter ist ein “Kommunikations-Tool” für junge Leute. Allerdings nur dann, wenn man die Nutzerschaft auszählt. Denn die Technik an sich ist verständlich und verwendbar für jedermann. Jeder, der je eine SMS verschicken konnte, kann twittern. Obwohl die Analogie nicht 100%ig trifft ist Twittern – kurz erklärt – das öffentliche Versenden von SMS gleichzeitig an Bekannte und Unbekannte. Inhaltlich gibt es keine Grenzen – jedenfalls solange der eigenen Reputation durchs Twittern drohende Schädigung keine Grenze gesetzt wird.

Also, was ist dran am twittern?

Twittern bedeutet, die eigenen Augen auf dem „Livestream“, dem Strom ungefilterter Ereignisse zu haben. Ereignisse, die sich in den – oft unreflektierten – Statements von Menschen spiegeln. Twittern bedeutet aber auch, ständig mit Meinung torpediert zu werden, Meinungen, denen man zustimmen kann und Meinungen, denen man widersprechen muß. Und dazwischen kommt das Ach und Weh des Alltags, Unbedeutendes, Informatives, Rührendes, Naives, Verzweifeltes, Ödes, Spannendes, Dummes, Hoffnungmachendes – eben die Fülle des ganzen Lebens.

Und wann macht Twittern richtig Spaß?

Ganz einfach ;)

Eigentlich kommt es nur darauf an, den richtigen Leuten zu folgen und von ihnen – nein, nicht verfolgt sondern – gefolgt zu werden. Wer sich in der richtigen Gesellschaft wiederfindet, der unterhält sich auch gut. Nicht besonders neu, oder?

Stellen Sie sich mal einen Empfang vor. Sie sind gut angezogen, kommen allein und stehen in der Mitte des Saales. Sie fangen Gesprächsfetzen von überall auf, aber Sie sind nicht wirklich in ein Gespräch einbezogen. Um sie herum quatschen alle. Sie mühen sich. Vielleicht werden Sie ja sogar eine Antwort in dieser oder jener Art los. Aber Sie sind nicht wirklich in einem Gespräch. Und weil Sie einfach nicht mitkommen, gehen Sie nach Hause.

An dieser Stelle finden sich viele neugierige Kurz-Twitterer. Sie sind überwältigt von der Gewalt der Flutwelle, der sie keine Dämme und Schleusen entgegensetzen können. Tweets über Tweets, alle ohne Relevanz und ohne Verbindung zu eigenen Identität.

Aber wenn diese Hürde überwunden wird, kann Twitter großen Spaß machen. Und das gelingt auch Ihnen. Setzen Sie auf Persönlichkeit, auf Ihre Persönlichkeit. Verzichten Sie einfach auf Gemache und Getue, vergessen Sie Schlips und Kragen und seien Sie so wie sie sind. Denken Sie, aber grübeln Sie nicht. Formulieren Sie, aber wortklauben Sie nicht. Machen Sie nicht das Unwichtige wichtig und lassen Sie andere Meinungen gelten.

Und wie geht das jetzt mit dem Folgen?

Das geht ganz einfach über den Follower-Knopf. Den findet man im Profil der Person, die man gerade gelesen hat. Klick – und los geht’s.

Und wo sind jetzt die Tipps?

Hier:

Folgen Sie Ihren Vordenkern.

Lesen Sie Blogs? Gibt es Blogger, die Sie immer wieder gerne lesen? Versuchen Sie diese Menschen auf Twitter zu finden. Meist haben die Blogger einen passenden Link in ihrem Profil. Oder Sie suchen in der Profilsuche von Twitter nach dem Pseudonym oder dem Klarnamen. Aber Sie können natürlich auch eine Email schreiben und um den Twitternamen bitten. Folgen Sie diesen Menschen und machen Sie die Erfahrung, daß Sie nicht selten direkt “zurück-ge-followt” werden.

Was Sie davon haben?

Na, dann stellen Sie dort mal Fragen. Und beantworten Sie die Fragen der anderen. Sie werden echte Interaktion erleben, pure Kommunikation und ein Diskurs beginnt.

Folgen Sie Ihrem Hobby.

Sie sind ein Enthusiast des Geo-Cachings? Oder es begeistert Sie die Bundesliga? Sie spielen Rollenspiele? Besuchen Sie doch mal die Web-Seiten zu Ihrem Hobby und suchen dort nach einem “Follow us at Twitter”. Ihr Twitter-Konto wird unmittelbar zum direkten News-Feed Ihres Hobbys, gespickt mit Tips zu Webseiten und Links zu anderen Twitterern.

Folgen Sie Schulen und Unis und folgen Sie Unternehmen.

In den USA nutzen Bildungseinrichtungen Twitter schon sehr intensiv, denn aufgrund von Ressourcendefiziten (man kann auch Geldmangel sagen) bleiben ihnen kaum klassische Möglichkeiten der Veröffentlichung. In Deutschland haben die Einrichtungen zwar auch kein Geld aber sie haben das Twittern noch nicht entdeckt. Der Elfenbeinturm ist noch geschlossen. Aber vielleicht twittert ja gerade einer Ihrer Profs? Suchen Sie doch mal und konfrontieren Sie Ihren akademischen Lehrer mit den Thesen von einst.

Und Unternehmen twittern natürlich auch, allerdings aus ganz anderem Grund: Sie suchen Publicity, wollen “in” sein. Und das kann spaßig werden, weil es nur allzuoft entlarvt. Spannender kann es manchmal sein, nach Kollegen im eignen Haus zu suchen und ihnen zu folgen. Mancher Flurfunk wird nun auch endlich Sie erreichen. Und vielleicht können Sie selbst ja auch mal zur Erhellung beitragen?

Folgen Sie Freunden.

Sie haben viele Freunde auf Twitter, die Sie einfach nur noch nicht kennen. Untrüglich ist der tief empfundene Zwang, ein Posting zu retweeten, also einen Tweet quasi wie ein Echo wieder nach draußen an Ihre Follower zu geben. Wenn Sie etwas lesen, was andere unbedingt auch wissen sollten, dann ist das ein verlässlicher Hinweis auf potentielle Wesensverwandtschaft. Drücken Sie Follow!

Verwenden Sie zwei Profile.

Wenn Ihnen Ihr Chef aber schon den Auftrag gegeben hat, für die Firma das “neue Twitter Dings da” zu machen, schaffen Sie sich bitte sofort ein zweites Profil an, ein privates. Sie werden es bitter bereuen, wenn Sie Ihre Meinung nicht von der Ihrer Firma auseinanderhalten können. Spätestens beim nächsten Bewerbungsgespräch.

Seien Sie dabei. Und zwar oft.

Schauen Sie oft nach Ihrem Twitter-Konto. Es ist ein Fluss von Nachrichten und Meinungen, der ununterbrochen an Ihnen vorbei fließt. Wenn Sie nur einmal in der Woche hinschauen verpassen Sie die inspirierenden Diskussionen und die gutenTips.

Am besten schauen Sie mehrmals am Tag in Ihren Strom, auch wenn es nur für ein paar Minuten ist. Haben Sie einen passenden PDA oder ein “mobile”, dann nutzen Sie die U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, die drei Minuten nach dem Mittagessen, bis Sie das Tablett wegräumen oder die Zeit, während Ihre Lieben zuhause sinnlose Vorabendserien schauen (und das TV ohnehin für Sie blockiert ist). Twitdroid fürs Android-Phone oder Tweetie fürs iPhone sind gute Software-Vorschläge. Aber Achtung: packen Sie einen zweiten Akku ein oder ein USB-Ladekabel. Sie werden überrascht sein, wie lange 3 Minuten surfen sein können.

Jetzt erhöhen Sie Ihre Chancen, dass Ihnen Relevantes nicht entgeht.

Benutzen Sie die Schlüsselwort-Suche oder klicken Sie auf die Trending Topics.

Inspiration kommt nicht aus dem blauen Himmel. Wenn Sie für Geld kreativ denken müssen, dann lassen Sie sich helfen, in dem sie sich neuen Stichworten zuwenden. Die “Trending Topics” bündeln zeitnah und aktuell wichtige Themen. Schnell haben Sie hunderte Postings in wenigen Minuten zusammen, es entsteht ein umfangreiches Bild vor Augen, genug Material zum recherchieren.

Übrigens, die Wörter mit der Raute davor nent man Hash-Tags. Das ist englisch. Und man kann witzige Sachen damit machen. Sie werden schon sehen.

Benutzen Sie eine spezielle Desktop-Anwendung.

Twitter ist oft eine Kakophonie. Ein einziger gemischter Strom auf der Twitter-Homepage kann für den konservativ geschulten Intellekt (die akademische Karriere begann z.B. mit der Grundschule in den 60ern) unbeherrschbar werden.

Falls es Sie – wie auch mich – ablenkt, wenn viele Gespräche auf einmal laufen, probieren Sie TweetDeck, Seesmic oder Tweetie aus. Diese kostenlosen Programme trennen Tweets in Gruppen oder Listen auf, und Sie können auf einen Blick erkennen, was die Geo-Cacher, die Briefmarkensammler oder die Blogger mitzuteilen haben.

Fazit

Lassen Sie sich nicht abschrecken, Twittern ist ein Erlebnis!

(Inspiriert von/inspired by Lorrie Jackson )

PS: Twittern macht uns unglaublich relevant

Ich wähle.

Ich bin also mit dabei. Ich darf aus der Shortlist mein “Start-up des Jahres 2008” auswählen.

Meine Kriterien hatte ich Christina gegenüber so formuliert:

- Eine Geschäftsidee mit konkretem Nutzen für die Kunden
- Möglichst (ich weiß, meist eine unrealistische Idealvorstellung) eine Idee, die On- und Offline miteinander verbindet, die das Leben abseits von Tastatur und Schirm sinnvoll mit der Netztechnik verbindet
- Originalität der Geschäftsidee – ein MeToo ohne “Weiterdenken” wird es sicher nicht
- ein abzusehenderweise funktionierendes Geschäftsmodell, das NICHT ausschließlich auf Werbung setzt
- eine Firma mit motivierten Menschen, die nicht mit Hungerlöhnen abgespeist werden

Nun, letzteres wird ohne Besuch und Gespräch nicht rauszubekommen sein. Und als Kriterium dienen kann das nur, wenn alle Kandidaten danach angeschaut werden können. Scheidet also aus. Bleibt: NoCopyCat, NoAdvertisementOnly, NoAmusementOnly, NoOnlineOnly.

Andererseits sollten Art und Ausführung des Auftritts, Charme der “Ideen-Identität” oder auch Gründungs-Energie eine Rolle spielen, alles nicht wirklich messbar und somit auch nicht in Vergleichbarkeiten auszuwerten. Bleibt: Subjektives Einschätzen. Und subjektiv sehend komme ich auch am weitesten.

Ich hab mich deswegen für panfu.de entschieden.

Panfu bietet eine Plattform für die Kinderbedürfnisse nach Beschäftigung und Wettbewerb. Es gibt Begeisterung durch Spiel und Bereicherung durch Lerneffekt.

Panfu ist für Kinder und das ziehe ich beim Werten mit ins Kalkül. Deswegen versuche ich den Auftritt und seine Machart nicht mit meinem nüchternen Web2.0-Business-Blick zu prüfen, der mir eigentlich ein Schütteln einbringen müsste. Und so sehe ich dann konsequent umgesetztes Kindchen-Schema. So gut umgesetzt, daß die Um-die-10-Jährigen offensichtlich in Mengen kommen. In diesem Alter ist man anscheinend gerne ein Panda, wie die Kommentare im dortigen Blog belegen.

Panfu ist aber auch auf die BudgetBewilliger der Kinder ausgerichtet und denen wird ein schönes Argument verkauft. Denn diese Eltern wissen, das Spielen am Computer läßt sich nicht verbieten. Also greifen Sie zu, wo zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden “die Kinder lernen ja englisch”. Und an dieser Stelle findet sich dann auch Panfus Geschäftsmodell: Man kassiert Abo-Gebühren.

Irgendwo hab ich mal gelesen, daß ein echter Gründer erst dann ein richtiger Gründer ist, wenn er vom Serialisierungsffekt erwischt wurde. Nun, dann sind die Panfus Moritz Hohl und Kay Kühne die richtigen, denn sie sind auch Frazrs.

OK, wenn ich es richtig sehe, gibt es noch andere Kinder-Online-Spiel-Plattformen. Meine Entscheidung verstößt also gegen mein eigenes Kriterium. Aber besonders gefallen hat mir – und das hebt die Negativ-Wertung wieder auf – daß man das Thema binnen kurzer Zeit internationalisiert hat. Und die Sicherung des Unternehmenserfolges durch das – ich sagmal – “Ent-Regionalisieren” ist essentiell. Gelingt die Expansion mit Erfolg in fremdsprachlichen Märkten (gleicher Kulturkreise wohlbemerkt) ist das Konzept stimmig, der Gründer erfolgreich. Ein Startup des Jahres muß diese Perspektive bieten.

Also, alles in allem eine ausnehmend subjektive Entscheidung, meine Entscheidung.

Ich wünsche viel Erfolg.

Übrigens, Cem’s Nummer eins war meine Nummer zwei.