Archive for September 2008

 
 

Mein Wort des Tages: "Empörungsbewirtschaftungspotenzial"

Schönes Stück von Klaus Jarchow über den Schweinejournalismus aka die ‘Boulevardisierung des Journalismus’. Darin findet sich ein Begriff, den ich zu meinem Wort des Tages machen möchte.

Schließlich bietet das Stichwort ‘Kinderschändung’ ein hohes Empörungsbewirtschaftungspotenzial. Kommt dies Quotenbedürfnis wiederum mit der Realität in Konflikt, dann müssen regelmäßig die Fakten einpacken.

Zusammenhang? Die von Stefan Niggemeier heftig kritisierte RTL-Geschchte über scheinbare Kinderschänder.

Daß der ÖR automatisch für Qualitätsjournalismus bürge, den Zahn zieht Jarchow gleich mit bei seiner Autopsie des Medien-Boulevards und verweist auf den BR und sein Wahlkampfstück zur Wohltatsgarantie der Vorratsdatenspeicherung. Jene Reports aus München gleichen in meinen Augen schon länger dem Format von Explosiv und Brisant, lediglich an einer anderen Zielgruppe ausgerichtet.

Jarchows Fazit:

Reporter geben sich dafür her, um an der Faktizität der Welt herumzuschrauben, und die Kausalität der Ereignisse wie die Waggons einer Modelleisenbahn einfach anders aneinander zu koppeln. Motto: Wenn der Kinderschänder erstmal brennt, wird er schon einer gewesen sein.

Klaus Jarchow: Boulevardisierung: Ich nenne es Schweinejournalismus

Würdet Ihr Euer Online-Banking mit dem Google-Browser machen?

Und dann zitier ich mal hieraus (via vowe, Danke) – Hervorhebungen von mir:

Information that Google receives when you use Google Chrome is processed in order to operate and improve Google Chrome and other Google services.

und

you will always have the option to use the browser in a way that does not send any personal information to Google or to discontinue using it.

Oder:

You can configure Google Chrome to not send cookies to Google or other sites as explained here.

Normalerweise beschreibt man Features in der Featureliste. Google hat aber auch welche in der Privacy zu bieten:

URL-Suggesting. Google findet schon die richtige URL für Dich. Und merkt sich das, wenn Du den Vorschlag akzeptierst:

When you type URLs or queries in the address bar, the letters you type are sent to Google so the Suggest feature can automatically recommend terms or URLs you may be looking for.

If you choose to share usage statistics with Google and you accept a suggested query or URL, Google Chrome will send that information to Google as well.

Klar, kann auch abgeschaltet werden:

You can disable this feature as explained here.

Safer surfen. Vor dem Aufruf der URL prüft Google gerne nochmal, ob die Site “sauber” ist:

Google Chrome’s SafeBrowsing feature periodically contacts Google’s servers to download the most recent list of known phishing and malware sites. In addition, when you visit a site that we think could be a phishing or malware site, your browser will send Google a hashed, partial copy of the site’s URL so that we can send more information about the risky URL.

Personenbezogene Information – nächster Schritt. Die IP – in Deutschland bereits eine geschützte Information – ist viel zu allgemein. Eine oder auch mehrere eindeutige Identifikationen aus der Anwendung werden mit Statistiken verknüpft.

Your copy of Google Chrome includes one or more unique application numbers. These numbers and information about your installation of the browser (e.g., version number, language) will be sent to Google when you first install and use it and when Google Chrome automatically checks for updates. If you choose to send usage statistics and crash reports to Google, the browser will send us this information along with a unique application number as well.

Also, ich weiß nicht. Mit Chrome meine GMail lesen und dann meinen Reader und dann eine Suche ausführen und dann meine Bankgeschäfte machen…

Ich bin ja nicht der einzige, der skeptisch ist. Taxedo / Wolfgang Pries hat auch Bauchweh mit Google. Was Payback für König Kunde, ist Google für den Webnutzer. via Robert

Ich stelle mal ‘ne ganz einfache Frage: Würdet Ihr Euer Online-Banking mit dem Google-Browser machen?

Mit dem Taxi kostenlos ins Einkaufszentrum. Die Suchmaschine als Carrier.

Das Suchmaschinen-Business war ja schon länger keines mehr, es heißt nur noch so. Nur Straßenschilder und Vorwegweiser aufzustellen, ist nicht lukrativ. Dieses Business besteht schon eine Weile aus der Förderung von Geschäften an einer öffentlichen Straße.

Der Werbe-Dienstleister hat zusätzlich Werbe-Schilder aufgestellt, Partnerprogramme organisiert und die Kunden geschickt aus den Autos und in die Läden gelockt. Er hat sich Autokennzeichen in Verbindung mit Kundenparkplätzen gemerkt und davon abhängig die Displays an der Landstraße für jedes Auto just-in-time mit passender Werbung bespielt. Verdient wird in diesem Business an den zufriedenen Händlern, die gerne von ihrer Marge abgeben. Clever.

Aber noch konnte jeder fahren und anhalten, wann und wo er wollte.

Dann hat der Werbe-Dienstleister jedem der wollte einen neuen schicken Briefkasten samt tollem Namensschild geschenkt und großzügig auch das Briefträgerwesen übernommen. Seitdem liest er die eintreffenden Postkarten mit und schmeißt die schon mal weg, die überflüssig, schädlich und sinnlos sind – alles kostenlos. Toller Service, die Menschen sind begeistert! Dankenswerterweise erkennt der Dienstleister so auch die wahren Bedürfnisse der Menschen und gibt wertvolle Produktempfehlungen zu den Postkarten dazu. Verdienen tut der Dienstleister an den zufriedenen Händlern, die gerne von ihrer Marge abgeben. Clever.

Aber noch konnte man die Prospekte ignorieren.

Jetzt will der Advertisement-Provider zum Carrierer werden, den Menschen ihre Einkaufswege erleichtern und kostenlose Kaffeefahrten mit dem Taxi organisieren. Wow, mit einem Taxi kostenlos ins Einkaufszentrum!

Klar, Fahr-Profis bürgen für Fahr-Sicherheit. Toll, man muß sich auch nicht mehr selbst um Inspektion und Ersatzteile kümmern. Schummrige Lokalitäten und böse Stadtviertel braucht man auch nicht mehr zu fürchten, da sorgt der liebe Carrier schon fürs drumrumfahren.

Die Leute werden zuhause direkt an ihren Briefkästen abgeholt (sic!). Da die Fahrgäste ja nicht mehr selber fahren, haben sie jetzt die ganze Aufmerksamkeit frei. Im Taxi läuft an jedem Sitz ein Bildschirm, der eine Marken- und Produktwelt abbildet, die – dem Dienstleister sei Dank – passend vorauswählt und gewichtet ist. Gefahren wird auf speziellen Routen und wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man tolle Animationen und Entertainment-Events. Da fühlt man sich schon angenehm eingestellt, wenn man am Ziel in die blinkende Warenwelt tritt. Wer da wann und wie verdient, ist eh klar.

Oh ja, natürlich fahren diese Autos gerne auch noch woanders hin. Selbstverständlich steuert man gerne auch ein Museum an oder die Stadtverwaltung. Sicher. Nur der Krach aus dem Bildschirm wird auf solchen Strecken unerträglich. Die Fenster sind jetzt gänzlich mit Folien bedeckt oder man hat gleich außen einen Bildschirm draufgeklebt.

Will der Gast ins alternative Jugendzentrum, geht plötzlich die Tür nicht auf. Illegale Aktivitäten drohen da drin und man will den Fahrgast ja keiner Gefahr aussetzen, nicht wahr?

Ach, politisches Interesse? Natürlich, bitte gerne, davorne sind die Büros der Regierungsparteien. Oh, auf eine Demo wollen Sie? Tut mir leid, da kenn ich mich nicht aus, da wüßte ich gar nicht, wo ich sie hinfahren soll.

Tja, gut, wenn man noch eine Wahl hat…

via Cem