Archive for August 2008

 
 

Der Traum vom menschlichen Fliegen: Problem gelöst. Zumindest 2-Dimensional

Es gibt Momente in diesem Leben, da bin ich höchsten Mächten dankbar für meine Platzierung in der Jetztzeit. Denn Dank modernen Techniken, verrückten Ideen, belastbaren Materialien, brillianter Infrastruktur und, nicht zuletzt, des Internets als Modernes-Märchen-Medium kann ich an Experimenten teilhaben, wie es nie zuvor denkbar war. Nun, sagen wir in gewisser Weise jedenfalls.

Nehmen wir Jean-Yves Blondeau zum Beispiel. Das ist ein junger Mann, der sich zur Aufgabe gemacht hat, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Na gut, möglicherweise nur der einen Hälfte der Bevöklerung, derjenigen, die immer schon fliegen – oder sich zumindest hilfsweise vom Berg stürzen wollten. Aber, das kommt dem Selbstfliegen schon ziemlich nahe, verglichen jedenfalls mit meinen kindlichen (Alb-)träumen.

Da habe ich auch immer leicht über dem Boden geschwebt, auf dem Bauch und habe mit meinem Körper gelenkt. Bin unsere Straße runtergerast und habe grenzenlose Freiheit gespürt. Jedenfalls bis ich aufwachte.

Jean-Yves hat sich das zur realen Profession gemacht. Und wie. In einem robocop-artigen Anzug schmeißt er sich auf eine Paßstraße und schliddert mit mords Kurvenmanövern ins Tal, gutausgebauten schweizer Straßen sei Dank. Meinereiner wich in seinem Traum den Hindernissen durch abheben aus. Jean-Yves ist da noch nicht ganz soweit, an der 3. Dimension arbeitet er noch. Hilfsweise überholt er einfach (ganz am Schluß).

J-Y, Du bist mein heutiger Held!

via Koehntopp

Von wegen "Mach schon" – Ich geb Dir gleich…

Schon ein Weilchen online, schmeist einen aber immer aus dem Stuhl.

Captcha mit gesellschaftlichem Zusatznutzen

Widgets füllen weltweit täglich 277.000 Stunden Arbeit mit Sinn.

Wer jemals vom Kunden einen langen Text mit dem Satz in die Hände bekommen hat “Fürs Firmenportrait könnense ja den Text aus der Broschüre nehmn”, der weiß, daß OCR als Allheilmittel nicht wirklich eine Option ist. Zwar haben sich die Fehlerraten in den letzten Jahren enorm verbessert, aber mancher Scanvorgang liefert so außerordentlich unterirdische Qualität, daß auch spezielle israelische Technik keinen Rat weiß.

Die Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh, PA, USA, hat vor einiger Zeit ein Verfahren entwickelt, das jenes immer noch notwendige Maß manueller Erkennung nicht länger zu einer stumpfsinnigen Studententätigkeit werden lässt. Man lässt diesen Job einfach die gemeinschaftlich die Weite-Welt-Weisheit erledigen. Und damit es attraktiv wird verbindet man das Nützliche mit dem Guten: man macht daraus einen Captcha-Dienst (Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart), der sich als Authorisierungssystem zur Verhinderung von Spam einsetzen lässt.
reCAPTCHA liefert auf der eigenen Webseite (zum Beispiel hier im Blog) ein Widget, das grafische Scans von Wörtern ausliefert, die von Menschen gelesen und identifiziert werden sollen. Die gefundenen Begriffe tippt der User dann ein und schickt sie zurück an den Uni-Server. Wenn das Ergebnis stimmt, dann wird eine Freigabe signalisiert. Solche Freigaben kann man dann zur Zulassung von Blogkommentaren verwenden.

Im Mai 2007 schätzten die Wissenschaftler um Professor Manuel Blum, dass täglich rund 60 Millionen CAPTCHAs entschlüsselt werden. Heute schätzen sie die Anzahl bereits auf 100 Millionen täglich. Rechnet man durchschnittlich 10 Sekunden für die Handhabung, dann würden mehr als 277.000 Stunden Arbeit am Tag “verschwendet”. Weltweit. In der Science berichtet Louis von Ahn aktuell, daß der Algorithmus bereits in über 40.000 Websites eingebaut ist. Entziffert wurden über 440 Millionen Worte, die Fehlerquote ist geringer als 1%.

Als Entwickler wirft sich einem natürlich die Frage auf, wie ein einerseits noch nicht identifiziertes Wort andererseits als Entscheidungskriterium für die Aufgabenerledigung dienen kann.

Da das Widget immer zwei Worte entziffern lässt, könnte der eine Scan ein bekanntes Ergebnis haben und an seiner zutreffenden Identifikation würde man den Captcha-Effekt festmachen. Die Identifikation des zweiten Wortes würde lediglich registriert. Kommen für diesen noch unbekannten Begriff viele gleichartige Entschlüsselungen zusammen (vielleicht setzt man den Schwellwert auf 97%) dann könnte man die Identifikation als gegeben betrachten und dieser 2. Begriff würde in den Pool der bekannten Worte wandern. Wenn der Ansatz so einfach ist, ist er brilliant.

via blogaddict

Auch nur Menschen: Besondere Falschparker und andere Verkehrssünder

Öffentliche Bürgerkontrolle über die Institutionen des Staates (z.B. Bürgerhaushalt) ist bei uns noch ein zartes Pflänzchen.

Wenn man sich in der Kommunalpolitik umhertreibt, dann wird man immer wieder mit den Grenzbereichen von Ordnung und Ordnungswidrigkeit konfrontiert. Man lernt, daß manch Verfolger auch ein Täter ist. Und so offenbaren sich – natürlich, welche Binsenweisheit – menschliche Schwächen bei unseren Organen der Rechtspflege.

Falschparken, Blockieren von Hydranten, verbotenes Wenden über durchgezogene Linien, 2. Reihe stehen – und alles wegen Hunger. Jimmy Justice filmt Verkehrssünder in NY… die Polizei! Und er geht nicht grade zimperlich vor, verwendet die Kamera als Sicherheit.

http://www.huffingtonpost.com/2008/08/03/jimmy-justice-videos-vigi_n_116590.html

via

In anderen Ländern spielt man gerne auch mal Kellentennis.

Segeln vor Somalia aber Angst vor Uran im Trinkwasser – herrlich-böse Sottise von Michael Miersch

Michael Miersch läuft zur Hochform auf:

Wer wirklich starke Nerven hat, geht in iranischen Gewässern fischen, unternimmt eine Motorradtour durch den Jemen oder segelt vor der somalischen Küste – Volksgefängnis inklusive.

Und weiter:

Am 26. Mai dieses Jahres drängelten sich 77 Menschen auf dem Gipfel des Mount Everest. Wenn sie dann wieder am Flughafen sind und sich eine Zeitung am Kiosk holen, stoßen sie auf bedrohliche Schlagzeilen: “Uran im Trinkwasser!” oder “Politiker wollen Überraschungseier verbieten”. Die westlichen Gesellschaften haben sich auf die Suche nach dem Restrisiko begeben, und sie finden es überall: im Trinkwasser, im Mobiltelefon, in der Zahnfüllung. Besondere Gefahr lauert beim Essen von was auch immer. Was geht da vor? Warum fürchten sich Bungee-Springer vor Genmais?

Herrlich.

Als unbequemer Leitartikler in der bekannt unlinken Welt aus Springers Haus nimmt er die Sauregurken-Meldung vom Uran im Trinkwasser aufs Korn. Neben der – erwartbaren – Kritik an “einer professionellen Aktivistengruppe” packt er vor allem aber seine Berufskollegen an den Griffeln. Ihre Einordnung von Gefahren, realen und irrealen scheint ihm wohl verbesserungsfähig. Da steht er wohl nicht aleine, mit dieser Meinung.

Interessanter Aspekt: Sein Hinweis auf die unterscheidliche Wahrnehmung von freiwillig eingegangen und aufgezwungenen Risiken.

Weiter hier: http://www.welt.de/welt_print/arti2319932/Auf_den_Himalaja_ohne_Ueberraschungseier.html.