Archive for Februar 2008

 
 

Control K D

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Das ist eine interessante Entwicklung.

Sicher kann man auch anders seinen Wortfluss unter Kontrolle bekommen. Natürlich durch herkömmliches Abfassen per Stift und Papier oder auch ganz neumodisch per WordOffice&Co. Daß sich jemand dem Prozeß des Gedankenfixierens dergestalt widmet, daß er allen Junk rund um das Verfahren identifiziert und aus einem Texteditor eliminiert, und daß er den Tipper wie weiland in WordStar mit spartanischen Funktionen und – als Krönung – in Reminiszenz an die technischen Fossile der Zeiten des PC-Urknalls mit grüner Schrift (völlig oldfashioned noch dazu: die Courier!) auf schwarzem Grund konfrontiert, läßt erahnen, daß ungezügelte menschliche Innovationskraft nicht zwangsläufig nur im Neuen münden muß.

Grade für den, der das immerfortwährend propagierte just gerade stattfindende Ereignis “Neue-Medien-Revolution” als jahrzehnte langen Weg durch eigenes Beschreiten in all seinen gerade aktuellen Facetten und Highlights kennen gelernt hat, kann es wohltuend sein, gelegentlich an die Ursprünge der eigenen elektronischen Existenz erinnert zu sein.

Die Wahrheit liegt im Text, nicht im wordherumprozessen.

^KD

Dank an imgriff für den Tip!

Den Writer gibt es hier.

John Watson gibt es hier.

Schwarz-Grüne Experimentalphase Kommt heute ein weiteres Spielfeld in HH dazu?

In den letzten Tagen ist er ja noch mal interessant geworden, der Wahlkampf in Deutschlands zweitgrößter Kommune.

Zunächst war es – Stichwort Stasi- und Mauerfreunde – die Fernwirkung aus Hannover, die da bis an die Elbe reichte. Denn auch auf der Lili (Liste der Linken) kandidiert ein noch aktiver Alt-Kommunist. Amüsant ein Bericht im Fernsehen: Eine Passantin am linken Wahlstand gibt ihrer Befriedigung darüber Ausdruck, endlich wieder eine echte linke Wahl-Alternative zu haben und das ohne Kommunisten – und ein Ebensolcher steht ihr gegenüber, seine tatsächliche politische Bindung wohlverschweigend. Das dürfte nicht gut angekommen sein, sowohl am bereits abgekalbten linken Rand des SPD-Gletschers, wie auch im Reservoir der von der Morgenröte träumenden Sozialisten. Überhaupt nicht gut.

Dann dies: Dank des Beck’schen Herumruderns in Sachen Hessenregierung sahen sich Traditionsgenossen in der Hansestadt genötigt von “extrem rücksichsloser Debatte” zu sprechen – in der eigenen Partei wohlbemerkt (Spon). Man kann geradezu auf das Wort vom Dolchstoß warten. Natürlich hat nun die Nervosität in der Partei zugenommen, ob Wähler der SPD noch zutrauen, zu ihrem Wort zu stehen. Ist ja auch extrem schwer zu ertragen, wenn der oberste Sozialdemokrat selbst, der Bundesparteichef persönlich, den Wortbruch einleitet und dann nicht einmal zu einem Pseudo-Dementi bereit ist. Deutlicher kann die Gier auf Macht nicht zum Ausdruck kommen.

Nun, wir hier in Berlin sind ja von unserem SPD-Finanzsenator auch einen besonderen Stil gewöhnt. Aber anders als Beck, redet Thilo Sarrazin öffentlich Klartext. Der rechnet schon mal vor, daß man mit Hartz-4 und Kartoffelbrei gut über die Runden kommt. “Das kleinste Problem von Hartz-IV-Empfängern ist das Untergewicht” lautete eines der jüngsten Statements. Da ist der Streit programmiert, sowohl in der rotroten Koalition (ja, wir haben sie hier schon länger), als auch innerhalb der eigenen Truppe. Da wird dann schon mal öffentlich gespöttelt, ob der gute Mann denn überhaupt noch Parteifreunde in der eigenen Partei hat. Auf der eigenen Regierungsbank hat er zumindest schon massive Gegner.

Heute abend werden wir wissen, wem mit wem das politische Handeln in Hamburg zugetraut wird. Mit der SPD in den großen Städten wird es schwierig. Linkskoalitionen – das zeigt Berlin – sind keineswegs eine zwingende Konstellation für die, welche nach Gerechtigkeit und Solidarität streben. Schwarz-Grün birgt ebenfalls Potenziale, keine Frage. Zwar dürfte es in Energie- und Bildungspolitik in einer Stadt wie Hamburg schwierig werden, einen Konsens zwischen CDU und Grünen zu finden. Aus eigener Anschauung in meinem Kommunal-Bezirk heraus kann ich aber nur zum Experiment ermuntern. Jüngere Konservative und ältere Ökologen verbindet mehr als sie trennt. Pragmatiker finden sich in beiden Reihen, Ideologie scheint jedenfalls nicht das Primat der Handelnden zu sein. Ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn Schwarz-Grün in Hamburg die nächste Legislaturperiode bestimmten. Es bietet sich die Chance, neue politische Strukturen für urbanes Leben zu entwickeln. Und die sind bestimmt auch für Berlin brauchbar.

"be Berlin" – Städte-Slogans, Berlin will auch einen

Mönsch Balin, wat murksen se Dia an de Klamotten rum.

Unter Fußballfreunden in Deutschland gibt es ja nur einen einzigen validen Berlin-Spruch: “Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin”. Und so schlüssig er ist, wenn es um Pokalträume geht, fürs internationale Marketing wirds mit dieser Sangeszeile schwierig. Natürlich sollen die Touristen nach Berlin fahren, keine Frage. Aber würden gerade sie diesen deutschen Satz als unmissverständliche Aufforderung verstehen?

Jeder kennt das magische Zweizeiler-Quadrat New Yorks, jenes mit den Drei Buchstaben und dem Herzen mittendrin: “I love New York”. Als Laie und als Mitglied der touristischen Zielgruppe bin ich damals wie heute begeistert – von der Aussage selbst wie auch von der Schlüssigkeit des Entwurfs. Das war und ist ein finales Statement, gemacht für die Ewigkeit.

Natürlich hat die Berliner Lokalpolitik den Drang befallen, es den großen Weltstädten nachzutun. Wer zu den internationalen Metropolen mit Weltgeltung aufschließen will, der muß dem Ding einen Namen geben, der muß ein unverwechselbares Branding schaffen. Da werden viele typisch deutsche Diskussionen geführt, Hauptstadt-Zeitungen rufen ihre Leser zum künstlerischen Brainstorming auf, geheime Findungskommissionen der städtischen Tourismusarbeiter werden eingerichtet, professionelle Agenturen verpflichtet und schon wenige 18 Jahre nach der Wiederentdeckung Berlins wird ein Slogan geboren. Heureka.

be Berlin” soll er heißen.

Nein, nicht Bi-Berlin.
Auch nicht Bei-Berlin.

Angeblich. Alles noch inoffiziell, aber schon in den Zeitungen. Und in der Abendschau. Und in den Blogs bei Alfons, im Fontblog, im Hauptstadtblog und hier. Und hier auch bereits politisch kommentiert.

Nun, noch wissen wir nichts über Motive, Hintergründe, Zielgruppen oder auch Einsatzgebiete. Und die Bildmarke dazu ist natürlich auch noch nicht da. Um so besser, denn dann stellt sich der Claim der Öffentlichkeit so, wie er in Tokyo, Los Angeles oder Shanghai wirken soll – ohne jegliche mitgelieferte Interpretationshilfe. Und da bietet er für mich ad hoc einen Anknüpfungspunkt.

Bekundete nicht weiland der hoffnungsvolle junge amerikanische Präsident “Ich bin ein Berliner”? Diese Geste der Solidarisierung in schwerer Zeit, einem typischen amerikanischen Habitus entsprungen, schwingt in vielen Berlinern – zumindest im Westen – bis heute nach. Ja, sich nach Ernst Reuters glühendem Aufruf an die Völker “Schaut auf diese Stadt!” als Berliner fühlen zu dürfen, das war im Kalten Krieg moralische Verpflichtung. Wer für das freie Berlin war, war Berliner. Was für eine Zeit. Was für eine Identifikationsbasis.

Heute steht Berlin bei den jüngeren Besuchern international für Aufbruch, Mode, für Kreativität ganz allgemein. Ältere suchen nicht selten die Reste der Mauer. Das ist zuwenig. Nicht nur Tagestouristen aus Polen und Sachsen sollen es sein, nein, ganz explizit will man Be-Berliner aus Indien und anderen aufstrebenden Globalisierungsgewinnern locken (siehe 8 MByte Tourismuskonzept des Senates). Da braucht es einfach einen “Attraktor”. Helene vom Hauptstadtblog spielt den Ball volley: “Woher überhaupt diese dumme Sitte kommt, dass jeder Gemeinderat seinen eigenen Schlachtruf aus dem Muppet-Labor braucht, ist mir ein Rätsel. Stets doppeldeutig, gern denglish mit der einzigen Einzigartigkeit wuchernd.” 1:0

Im Deutschen hieße der Imperativ offiziell übersetzt “Sei Berlin!” – so wirds jedenfalls verlautet. Mich schüttelts, schon wegen der Spreche. Aber, kann man wirklich Stadt sein? Und wenn man Stadt sein kann, dann diese auch? Der Zander, ein ernsthaft engagierter Berliner, hat ja gesungen: “Immer wenn ich bei Dir bin, zieht es mich woanders hin, doch ich brauch Dich um so mehr, wenn ich Dir den Rücken kehr”. Und er hat vom “Fühlen” Berlins gesprochen. Trifft es das nicht viel besser? “Feel Berlin!” Ich fühl da ‘ne Menge in meiner Stadt. Aber wahrscheinlich wäre dieser Spruch nun wirklich nicht originell genug um für seine Verwendung und Verbreitung 10 Millionen auszugeben.

Ich habe ja seinerzeit eigene Vorschläge einreichen wollen. Angesichts der Bedeutungsschwere des Vorhabens und der illustren Schar der professionellen Mitmacher habe ich aber schnell eingesehen, daß das mit mir als Laien nix werden würde. Und so habe ich die kleine Arbeit den Tiefen meiner Festplatte anvertraut und zwar dem Bereich, über den kein Backup gemacht wird. Gottesurteil.

Ich bin Berliner, nicht Berlin. Und deswegen kontere ich nun doch mal mit meinem, dem Gottesurteil noch nicht anheim gefallenen Gegenentwurf:

Berlin lieben

Denn, soville ick mekkan möchte, ick liebe det Dorf doch ooch.

Nüvifone – Bilder

Nachdem ich die Erlaubnis habe: hier die Bilder des Nüvifone von Garmin.

Gespannt bin ich wirklich, was im Herbst wirklich auf den Markt kommt. Der Wettbewerb ist attraktiv, aber die anderen kochen auch alle nur mit Wasser.

Nüvifone

Nüvifone 2

Doppel SIM – ein Kundenbindungsinstrument

neuerdings.com nennt es eine ehrliche und unbequeme Antwort, wenn man auf die Frage, warum es eigentlich nicht viel mehr mobile Telefone für 2 gleichzeitig betriebene SIM-Karten gibt, zu hören bekommt: weil es die Provider nicht wollen.

Die Vorteile der Dual-SIMs liegen für die Telefonierer ja klar auf der Hand: wer geschäftlich und privat getrennt telefonieren muß – egal ob wegen der Steuer, weil der Arbeitgeber es so will oder die Nummer der Freundin nicht im Rufnummernliste auftauchen soll – schleppt 2 Telefone mit sich rum. Dazu vielleicht noch zwei verschiedene Freisprecheinrichtungen, eine GPS-SD-Karte zum wechseln, möglicherweise noch einen PDA sowie natürlich diverse Ladegeräte. Ausgebeulte Taschen, die ständige Suche, ob auch alles beisammen ist, ganz zu schweigen vom stumpfsinnigen Abgleich der Kontakt-Datenbanken… wie schön, wenn alles in nur einem Gerät Platz fände. Solcherart Geplagte werden mit Empathie nach Dual-SIM-Handys Ausschau halten- und dabei nur allzuoft in die Röhre gucken.

Der Markt für diese Geräte ist außerordentlich eng und die klassischen Absatzkanäle für Handys, diese handtuchgroßen Fußgängerzonenshops mit den doppelt so großen roten, magentafarbenen, blauen oder auch grünen Leuchtreklamen führen keines der Modelle. Aus Providersicht natürlich logisch, die Kunden sollen mit der eigenen Karte schwätzen und mit sonst nichts. Da wäre es schlecht, wenn in das Gerät noch eine zweite, fremde Billigkarte passte.

Sicher, es ist unbequem, den Handy-Vertrag zu kündigen und dem anstehenden Gezerre um die Rufnummernmitnahme gelassen entgegen zu sehen. Da passiert schnell ein Unglück. Provider kalkulieren mit dieser Skepsis ihrer Kunden. Aber wenn eben dieser Kunde die Hürde tatsächlich auf sich nimmt – vulgo kündigt – und einen neuen Vertrag mit seiner alten Nummer woanders bucht, dann ist er weg. Und zwar dauerhaft. Dass diese Entwicklung nennenswert Raum greift, beweisen dynamisch wachsende Vetragszahlen von Billig-Providern. Ihre Angebote von niedrigen Grundgebühren, kurzen Vertragslaufzeiten und einfachen Preismodellen tragen ganz entschieden dazu bei, die Schwankenden zu Wechselnden zu machen. Mit der billigen Flatrate ist dann die Trennung der geschäftlichen und privaten Gespräche auch nicht mehr so wichtig .

Dual-SIM Handys würden die ursprünglich viel “kleinere” Wechsel-Motivation abfangen. Menschen, so hört man überall, sind bequem. Provider bräuchten einfach nur eine Zweitkarte aus dem eigenen Konzern in ein solches Doppel-SIM stecken und anlässlich der Vertragsverlängerung anbieten und ich wette, 2/3 der unzufriedenen Wechsel wären Bleiber.

Pech gehabt, liebe Fossile.